Wenn es draußen kälter wird, die Blätter treiben störrisch durch die Straßen, zieht es uns hinein in die Stuben, in die hoffentlich warmen Stuben. Selbst, wenn heute jeder Haushalt über eine Zentralheizung verfügt und diese den Job “Heizen” zur besten Zufriedenheit erfüllt, kann sich dennoch keiner dem Charme eines echten Ofens entziehen.
Die Nutzbarmachung des Feuers war für die Entwicklung des Menschen ein elementarer Schritt. Jahrtausende lang war Feuer die wichtigste Quelle für Wärme und für die Zubereitung von Nahrung. Die frühen Menschen nutzten ihr Erfindungsreichtum dazu vom Braten über offenem Feuer oder in der Glut zur Verwendung der Hitze im Ofen über zu gehen. Anfänglich waren das meist bodennahe Lehmöfen, später erst Steinöfen und mit der Metallverarbeitung auch Modelle aus Eisen. Es handelte sich dabei meist um Backöfen bei denen im Innenraum Platz für zu backende Ware war. Die Anlagen wurden mit der Zeit immer ausgefeilter, Zu- und Abluftleitungen gelegt etc. Mit dem sesshaft werden, wurde der Ofen nach innen verlagert, um Nahrungsherstellung und Wärmeabgabe gleichzeitig zu nutzen. Im Mittelalter erhielten die Öfen oben Kochstellen, sodass mit Töpfen und Pfannen gekocht werden konnte. Im 14.Jahrhundert entstanden gleichzeitig die ersten Kachelöfen, die dann teilweise auch nur noch der Beheizung der Wohnräume dienten. So wurde der Ofen zum Schmuckobjekt. Aufwendig hergestellte farbige Kacheln in verschiedensten Formen wurden dafür verwendet. Die Prächtigsten waren mit aufwendigen Reliefs geschmückt oder mit feinen Zeichnungen bemalt. Mehr Information und Beispiele zum Anfassen gibt’s im Ofenmuseum in Burrweiler.
Mit der fortschreitenden Industrialisierung wurde der Kaminofen wieder mehr zum Nutzobjekt. Kohleknappheit und geringes Einkommen zwangen zu innovativen Lösungen, zum Beispiel zu Öfen, die durch das Mauerwerk hindurch gebaut wurden, um so zwei Räume gleichzeitig zu beheizen. Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dann flächendeckend neue zentrale Heizanlagen und Fernwärme eingeführt. Der Ofen musste über kurz oder lang dem Heizkörper weichen. In den Küchen überlebte er etwas länger, wurde aber schließlich von Gas- und Elektroherd verdrängt.
Heute erleben wir jedoch eine gegenläufige Entwicklung, indem immer mehr Haushalte sich wieder einen Ofen anschaffen, sei es ein offener Kamin oder eine geschlossene Variante. Zahlreiche Firmen bieten mittlerweile etliche Modelle und Formen an. Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass der Ofen zur Beheizung nicht mehr essentiell ist, sondern eher aus Aspekten der Gemütlichkeit und Nostalgie angeschafft wird.
Früher wurden die Öfen ausschließlich mit Kohle und Holz befeuert. Heute werden moderne Kamine gerne mit Holzscheiten befeuert, um das charakteristische Knistern zu erleben. Öfen, die ganze Häuser beheizen verwenden jedoch mehrheitlich Gas oder Heizöl. In letzter Zeit sind auch Anlagen mit Pelletfeuerung stark im Trend.
Natürlich kennen wir auch andere Öfen, zum Beispiel Industrieöfen aus dem Stahlbau oder Chemieöfen. Diese sind auf die besonderen Anforderungen und Belastungen hin konzipiert und hochkomplexe Geräte.
Zurück zum Herbstwetter, zurück zu den kalten Händen und zum Kaminabend mit heißem Tee oder Glühwein. Der Ofen strahlt seine Hitze aus, die Gesichter fangen an zu glühen, man starrt in die Flammen und schwelgt in melancholischen Gedanken. So effizient und umweltfreundlich moderne Heizanlagen in einer Immobilie auch sein mögen, dagegen kommen sie einfach nicht an.